eSport soll als offizielle Sportart anerkannt werden

Aus dem neuen Koalitionspapier von CDU/CSU und SPD geht hervor, dass eSport in Deutschland künftig als offizielle Sportart anerkannt werden soll. Eine Aussage, die so manchen überrascht haben wird. Aus meiner Sicht ist dies aber nur der nächste logischer Schritt, wenn man sich die Entwicklung des eSports in Deutschland genauer anschaut. eSport gewinnt tagtäglich in Deutschland und auch weltweit an Relevanz. Im Jahr 2017 spielten 34,1 Millionen Personen in Deutschland mindestens gelegentlich Computer- und Videospiele und geschätzt gab es im Jahr 2017 weltweit rund 145 Millionen eSport-Enthusiasten. Interessant ist die Tatsache, dass 40% aller eSport-Fans, die kompetitiven eSport im Internet oder Fernsehen verfolgen, selbst nicht aktiv spielen. Ein Zeichen dafür, dass eSport sich zu einem relevanten Zuschauersport entwickelt. Nach Schätzungen verfolgten 2017 weltweit 385 Millionen Zuschauer eSport, bis 2020 rechnen die Analysten mit fast 600 Millionen Zuschauern. (Quelle: statista)

135 Mio. € Umsatz bis 2020

Diese Zahlen sind beeindruckend und es wird noch spannender, wenn man sich die Umsatzentwicklung im eSport anschaut. Im Jahr 2016 wurden mit eSport allein in Deutschland ca. 50 Millionen Euro umgesetzt. Diese Summe setzt sich aus folgenden Erlösquellen zusammen:

  • Sponsoring/Werbung
  • Premium-Content
  • Eintrittsgelder
  • Merchandising

Bis 2020 wird prognostiziert, dass dieser Umsatz in Deutschland auf ca. 130 Millionen Euro ansteigen wird. Das zeigt, dass eSport auch ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor  ist und in Zukunft sein wird. (Quelle: statista, Deloitte) Die Politik kann und darf somit die Augen vor dieser Entwicklung nicht mehr verschließen. Neben dem gesellschaftlichen Stellenwert des eSports und der Bedeutung für die Wirtschaft, sind am Ende des Tages die eSportler von heute auch die Wähler von morgen. Und Politiker wollen naturgemäß wiedergewählt werden.

 

Anerkennung als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht

Wie aus dem neuen Koalitionsvertrag hervorgeht, wird eSport in Deutschland künftig als offizielle Sportart anerkannt. Wörtlich heißt es in dem Papier:

„Wir erkennen die wachsende Bedeutung der eSport-Landschaft in Deutschland an. Da eSport wichtige Fähigkeiten schult, die nicht nur in der digitalen Welt von Bedeutung sind, Training und Sportstrukturen erfordert, werden wir eSport künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen.“

Das Ziel ist es die Strukturen des eSports in Deutschland  nachhaltig zu verbessern. Durch die Anerkennung als Sportart können Grundlagen für die Schaffung einer breiten Amateurstruktur in Vereinen geschaffen werden. Zudem wird dadurch auch die finanzielle Förderung auf Länderbasis ermöglicht. Der Präsident des eSport-Bund Deutschland (ESBD), Hans Jagnow, sagte dazu

„Das ist ein massiver Schritt nach vorne für den eSport in Deutschland. Mit dem Verhandlungsergebnis bekennen sich die Verhandlungspartner umfassend zum eSport als Teil der deutschen Sportgesellschaft und stellen lokale Förderung sowie internationale Beteiligung in Aussicht“.

Für Vereine wird die große Herausforderung nun darin bestehen, wie eine eSport-Abteilung in bestehende Vereins-Strukturen integriert werden kann. Denn die Rahmenbedingungen für eine eSport-Abteilungen sind mit denen von Handball, Basketball, Volleyball etc. nur zum Teil zu vergleichen. Auch müssen sich die Sportfunktionäre überhaupt erst ein Bild vom eSport machen. Ich bezweifel, dass sich das Präsidium, die Vorstände und die Geschäftsführer der Sportvereine überhaupt schon ernsthaft mit dem Thema auseinander gesetzt haben. Hier muss Basiswissen vermittelt und angeeignet werden. Das wiederum erfordert Spezialisten, die dieses Wissen in die Vereine tragen und Strukturen aufzeigen, wie die Integration des eSports in Vereine gelingen kann. Es stellt sich auch auch die Frage, welche Rolle die Landessportbünde hierbei spielen werden.

eSport – Vorteile für Vereine

Dies sind nur einige Fragen und Probleme, die 2018 auf Vereine und Verbände zukommen und beantwortet bzw. gelöst werden wollen. Die Umsetzung wird Arbeit und Zeit in Anspruch nehmen und Ressourcen innerhalb der  Vereine binden. Was auf den ersten Blick abschreckend wirkt, ist aus meiner Sicht allerdings unverzichtbar und muss getan werden, wenn Vereine sich für die Zukunft erfolgreich aufstellen wollen. Neben den Vorteilen der Digitalisierung von Sportvereinen (lesen Sie hierzu meinen Artikel) bringt auch eSport Vorteile. Vereine beklagen immer häufiger den Verlust von Mitgliedern und ehrenamtlich tätigen Menschen. Eine boomende Sportart wie eSport kann da zu einem Mitgliederzuwachs führen. Dies wiederum führt zu Mehreinnahmen sowie potenziell neuem ehrenamtlichen Personal. Auch kommt der Verein damit seiner Aufgabe nach, das vielseitige und kreative Zusammenleben in der Dorf- oder Stadtgemeinschaft zu fördern.

Zu guter letzt dürfen Vereine nicht vergessen, dass bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 erstmals eSportler um Medaillen kämpfen könnten. Gespräche zwischen Olympia-Komitees und der eSport-Community gibt es schon. Ein fester Teil der Asienspiele 2022 wird eSports bereits sein. Das heißt, wenn jetzt nicht die Vereinsstrukturen für den eSport geschaffen werden, wird Deutschland bei Olympischen Spielen keine Rolle spielen. Dies kann nicht im Interesse des organisierten Sports liegen.

Noch ist die neue Große Koalition nicht im Amt und bis dahin ist es noch ein langer Weg. Dennoch bin ich mir sicher, dass jeder Politiker in Deutschland den eSport so behandeln muss und wird, wie es im aktuellen Koalitionspapier von CDU/CSU und SPD steht.

Wie steht Ihr dieser Entwicklung gegenüber? Begrüßt Ihr es oder besteht Ablehnung? Ich freue mich über Kommentare und eine angeregte Diskussion.

 

Photo by Sean Do on Unsplash

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