Verbände und Vereine – überwindet Eure Social Media Angst! – Ein kleiner Wegweiser

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Rückläufige Mitgliederzahlen, veraltete und langsame Strukturen und eine allgegenwärtige Skepsis gegenüber Neuem sind leider in vielen Deutschen Vereinen und Verbänden noch immer allgegenwärtig.

Gerade gegenüber den sozialen Medien gibt es vielerorts noch große Bedenken. Für mich persönlich ist diese Einstellung nur schwer nachzuvollziehen. Es gibt viele Beispiele wie Verbände, Vereine und Sportarten die sozialen Medien zu ihrem Vorteil nutzen. Sie informieren interessierte Sportler und „Fans“, treten mit ihnen in Dialog und bauen ihr Produkt, nämlich die Liga, einzelne Events oder die eigene Sportart im Allgemeinen, aus. Sie haben erkannt, dass die Sozialen Medien zusätzliche Marketing- und Kommunikations-Tools sind, die Bekanntheit und „Kundenbindung“ schaffen.
Mit diesem Artikel möchte ich versuchen ein wenig die Angst vor den sozialen Medien zu nehmen und aufzeigen wie Verbände und Vereine, aber auch Einzelsportler, soziale Netzwerke nutzen können, um erfolgreich zu sein. Social Media ist ein gutes Tool, um Aufmerksamkeit zu schaffen, Webseiten-Traffic zu erhöhen und Sponsoren und interessierte Sportler zu erreichen.

Vorweg ein paar Zahlen:

72% der Erwachsenen nutzen Social Media
21% der Internetzeit wird auf Social-Media-Seiten verbracht – mehr als auf jeder anderen Seite!

Das sind doch schon mal interessante und aussagekräftige Zahlen. Wir können davon ausgehen, dass auch die Zielgruppe der Sportler in diesem Bereich sehr aktiv ist. Warum auch nicht? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sportler und sportinteressierte einen großen Bogen um soziale Netzwerke machen.
Ein Beispiel für die Aktivität von Sportlern im Netz gefällig? Laut der Edelmann Sportstudie 2012 informieren sich 64,2% der Sportler, BEVOR sie in einen Verein eintreten, über den zukünftigen Verein im Internet. 44% geben an, dass sie ihre Sportinformationen aus dem Internet beziehen. Die Altersverteilung sieht dabei wie folgt aus:

Internetnutzung_nach_Alter

Wer also gerade die jüngere Zielgruppe (die Mitglieder von Morgen und die Zukunft eines jeden Vereins / Verbandes) erreichen will, kommt um das Medium Internet nicht herum. Eben sowenig um das Medium Social Media.

Wozu nutzen User denn nun genau dieses Social Media?

  1. Empfehlungen bzw. „Mundpropaganda“
  2. Durch Erfahrungsberichte anderer User lernen
  3. Produktinformationen bekommen
  4. Komplimente / Beschwerden an Marken schreiben
  5. Teilen von unterschiedlichen Dingen (Events, Angebote, Infos im allgemeinen, etc.)
  6. Direkten Kundenservice (z.B. Deutsche Bahn)

OK, das hätten wir erst mal. Doch kann das auch für den Sport von Vorteil sein? Ich sage: unbedingt! Gehen wir die einzelnen Punkte doch mal durch und schauen wo das beim Sport Anwendung finden kann:

Zu 1.
Jemand probiert eine neue Sportart aus, geht zum Training, findet es toll und postet das dann in den sozialen Medien. Freunde und Bekannte lesen es und wer weiß? Vielleicht kommt der Ein oder Andere zum nächsten Training mit oder informiert sich aufgrund dieses Posts zum ersten Mal über diese Sportart. Klingt doch gar nicht schlecht, oder?

Zu 2.
Punkt 2 hat eng mit 1 zu tun. Jemand der positiv über eine Sportart schreibt und davon schwärmt motiviert andere diese Sportart vielleicht auch mal auszuüben bzw. sich damit zu beschäftigen. Freunde in den sozialen Medien bekommen das mit und gehen positiv an die Sache ran. Klingt für mich auch durchaus interessant!

Zu 3.
Ein Verband / Verein / Sportler kann aktiv und regelmäßig über seine Sportart schreiben und wertvolle Informationen verbreiten. Es muss nicht darauf gewartet werden, dass die regionale Presse vielleicht einen Bericht auf Seite 35 der örtlichen Zeitung druckt. Man hat es selbst in der Hand was und vor allen Dingen wann es geschrieben wird. Ist das nicht eine unglaublich angenehme Vorstellung?

Zu 4.
Verbände und Vereine bekommen ein direktes Feedback der User. Das kann mal gut, mal schlecht ausfallen. Egal wie, es ist ein Rückkanal, der wichtige Informationen liefert und genutzt werden muss, um zu lernen, zu optimieren und vor allen Dingen um in den Dialog zu treten. Ein unglaublich hohes Gut, das nicht unterschätzt werden darf.

Zu 5.
Reine Informationen wie anstehende Turniere, Spiele und Events können leicht verbreitet werden und werden dankend von Usern angenommen.

Zu 6.
Kundenservice bei einem Verein oder Verband? Ja warum denn nicht! Ein Verband kann über soziale Medien seine Mitglieder bedienen und Fragen schnell klären und beantworten. Ob nun via Telefon oder Social Media. Es ist doch nur ein anderes Medium, um Sportlern, Journalisten, Offiziellen, Kampfrichtern, Spielleitern, Sportlern, etc. einen weiteren Rückkanal zu bieten.

Wir sehen also, dass Verbände und Vereine durchaus die Bedürfnisse der Social Media Nutzer über diesen Kanal befriedigen können. Eigentlich müsste jetzt jeder PR-Verantwortliche in einem Verband oder Verein sofort loslegen. Doch leider ist das bei vielen immer noch nicht der Fall. Warum ist das so? Es bestehen Ängste gegenüber den sozialen Medien. Schauen wir uns diese Ängste doch einmal genauer an. Und vielleicht finden wir Argumente, die die Ängste entkräften können?

Ich habe nicht genug Zeit oder zu wenig Geld, dass ich investieren kann.

  • Keep it simple. 1 bis 2 Social Media Plattformen reichen. Man muss nicht überall präsent sein.
  • 15 Minuten am Tag reichen. Mehr Arbeit muss nicht investiert werden. (Und diese 15 Minuten sollten doch machbar sein, oder?)
  • Man sollte frei zugängliche Plattformen nutzen, die sich mit Social Media Strategien befassen und Trends sowie Ratschläge für die Social Media Nutzung erteilen. Zum Beispiel Blogs wie socialmedia-blogSocial Mouths oder Webseisten wie Social Media Today.

Ich weiß nicht wie ich schreiben soll!

  • Grundsätzlich gilt: SEI DU SELBST!
  • Die Stimme mit der der Verband / Verein / Sportler auf Social Media Kanälen spricht sollte menschlich sein. Die Stimme sollte eine Persönlichkeit – und eigene Meinung – haben, die die Werte des Verbandes / Vereins wiedergibt und bestehende Marketingstrategien unterstützt.

Ich habe Angst vor negativen Kommentaren.

  • Feedback, selbst wenn es negativ ist, ist unbezahlbar! Es gibt nichts wertvolleres, denn nur dann kann man Optimierungen vornehmen, die bei den Usern, Interessierten und Sportlern ankommen.
  • Negatives Feedback sollte als Möglichkeit gesehen werden, um den Leuten da draußen zu zeigen was für einen unglaublich tollen „Kundenservice“ der Verband / Verein bietet.

Ich habe keine Ahnung was ich schreiben soll.

Wirklich? Dann hat sich noch niemand in der Sportvereinigung ernsthaft mit dem Thema beschäftigt! Es gibt hunderte Themen. Hier mal einige Beispiele:

  • Content zu „How-To-Artikel“ schreiben
  • Fragen und Antworten zum Regelwerk, Ausrüstung, etc.
  • Tutorials wie man im Training besser wird
  • Anstehende Spiele / Wettkämpfe, etc
  • Sammeln von Content anderer Seiten
  • Teilen von interessanten und informativen Artikeln zur Sportart von Drittseiten sowie Fotos und Videos
  • Konversationen anstoßen, Umfragen starten
  • Fragen an die Follower stellen oder beantworten Ihrer Kommentare. Binde die Follwer ein und lass Dich auf den Dialog ein.

Ich denke mal, dass ich nun schon ein paar relevante und nachvollziehbare Argumente gebracht habe und vielleicht schon ein wenig Angst gewichen ist. Seit Jahren arbeite ich nun schon mit diversen Verbänden und Vereinen zusammen und ich erinnere mich noch gut an die ersten Gespräche. Überwiegend bestand komplette Ablehnung gegenüber den sozialen Medien. Ich bin froh, dass es bis heute tatsächlich einige von ihnen geschafft haben in den sozialen Medien vertreten zu sein. Sogar die kritischsten unter ihnen sind mittlerweile in diesen Bereichen tätig. Und das sehr erfolgreich.
Leider gibt es immer noch einen großen Teil, die die sozialen Medien gar nicht oder einfach nur unzureichend nutzen. Diesen möchte ich gerne zurufen: „Versucht es aus, geht das Thema professionell an und haltet Euch an die Regeln, die ich Euch hier mit an die Hand gebe! Dann kann es sich nur positiv für euch auswirken!“

Es gibt allerdings auch Fallstricke, die man als Verband/Verein umgehen sollte. Dafür ist es wichtig zu wissen, welche Fallstricke das sind. Nachfolgend möchte ich die wichtigsten nennen:

  1. Soziale Kontakte knüpfen, pflegen und hegen! Nicht einfach nur werben.
    – Es geht um Interaktion mit der Community. Um Mitglieder- und Fanbetreuung.
    – Es sollte tunlichst vermieden werden ausschließlich Eigenwerbung zu machen.
  2. Qualität steht über Quantität!
    – Ohne Grund sollte nicht gepostet werden. Schon gar nicht zu häufig und ständig!
    – Man sollte seine Ziele immer im Auge haben und nur das posten, was die gewünschte „Message“ rüberbringt.
  3. Authentizität schlägt Automation!
    – Sei persönlich, authentisch und erreichbar.
    – Mechanisch klingende und sich wiederholende Posts müssen vermieden werden.
  4. Immer forsch vorweg gehen! Nicht zögern!
    – Die eigenen Social Media Kanäle dürfen nicht aus den Augen verloren werden. Zuhören, antworten und kompetente Hilfe anbieten ist unerlässlich.
    – Wenn es zu kritischen Tönen kommt oder eine Krise vorherrscht dürfen Fehler nicht verheimlicht werden. Auch wenn es schwer fällt. Die User werden einen sonst abstrafen.

Hat man diese oben genannten Dinge verstanden und verinnerlicht, so steht nun vielleicht endlich der Schritt in Richtung Social Media für den Verband / Verein / Sportler an. Ein Schritt der ohne Strategie nicht unbedingt sinnvoll ist. Das heißt eine Planung muss her, bevor wir starten. Diese sollte wie folgt aussehen:

  1. Ziele definieren
    – Fragt Euch selbst: Warum wollen wir hier sein?
    – Wollen wir mehr Aufmerksamkeit?
    – Wollen wir mehr Leute auf der Webseite?
    – Wollen wir unseren Sport bekannter machen?
    – Wollen wir Mitglieder generieren?
  2. Zielgruppe festlegen
    – Wo befindet sich meine Zielgruppe?
    – Finde heraus auf welchen Webseiten sie sich sonst rumtreiben?
    – Wem folgen sie in den sozialen Medien?
  3. Entwickle Deinen Content frühzeitig
    – Zuhören was andere teilen und sagen, um das Themenfeld genau abzustecken.
    – Suche nach Keywords, Trendthemen, Gruppen und Feeds und kreiere Content der dazu passt.
  4. Zeitplan festlegen
    – Veröffentliche deine Posts rund um relevante Ereignisse wie große Turniere, Spiele und Wettkämpfe.
    – Checke regelmäßig Kommentare und gebe darauf Feedback.
  5. Kontrolle
    – Regelmäßig müssen die Kern-Kennzahlen überprüft werden. Diese sind z.B. Anzahl der „Likes“, Followers, Freunde, Kommentare, Zufriedenheit und Webseiten Traffic.
    – Die Strategie muss ständig auf Grundlage dieser Daten angepasst werden, denn im Laufe der Zeit wird gelernt was funktioniert und was nicht.

Ich hoffe, dieser kurze Überblick trägt dazu bei, dass schon bald vermehrt Vereine und Verbände den Schritt in Richtung soziale Netzwerke wagen bzw. ihre derzeit vielleicht nicht optimal genutzten Social Media Accounts aufpeppeln und professioneller nutzen. Viele Themen habe ich hier nur oberflächlich angekratzt. Solltet Ihr noch Anmerkungen oder vertiefende Links dazu haben, freue ich mich darüber in den Kommentaren.

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